Das Fastentuch von Lisa Huber in der Klosterkirche

Im Gebet zum Fastentuch heißt es: Öffne unsere Augen, dass wir neu sehen lernen! - In dieser Zeit, wo die Klosterkirche und viele Kirchen aufgrund der globalen Corona-Krise geschlossen bleiben,  müssen wir so manche Dinge neu sehen lernen:
Wie gehen wir mit der Situation um? Wie können wir Solidarität leben, ohne uns zu nahe zu kommen? Wie gestalten wir unseren Glauben im Alltag, wo uns die eingeübte und wohltuende Gemeinschaft in unseren Gottesdiensten und Gebetszeiten fehlt? Ja, in der Tat, wir lernen neu zu sehen. 

Auf dieser Seite soll zumindest ein virtueller Zugriff auf das Fastentuch möglich sein. Unter dem Motto WAS SIEHST DU? sind wir eingeladen, uns selbst und Gottes Verheißungen - gerade in diesen Zeiten, neu sehen zu lernen. 

Zum Fastentuch von Lisa Huber
Ein modernes Fastentuch der Künstlerin Lisa Huber mit 27 Holzschnitten zu Motiven aus dem Alten und Neuen Testament verhüllt die Kreuzigungsgruppe in der Ostkirche:  ein ungewohnter und überraschender Weg, sich dem Geheimnis der Passion Christi anzunähern und die Kreuzigungsgruppe in ihrer Ausstrahlung wieder neu zu entdecken.

Mit dieser Installation wird eine seit 1000 Jahren bestehende
Tradition aufgegriffen, Kreuze und Altäre in der Passionszeit zu verhüllen. Die Verhüllung startet in der Regel kurz vor oder zum Beginn dem Beginn der Passions- und Fastenzeit. Die vertrauten Bilder und Darstellungen werden „gefastet“, d.h. wir verzichten auf den Anblick, den wir kennen. Wenn dann später irgendwann die Enthüllung geschieht, wird ein neues Sehen des Vertrauten hoffentlich möglich.

Das Fastentuch ist 6 x 5 Meter groß; es zeigt Holzschnitte, die im Handabzug auf Leinwand gedruckt wurden. Die 27 Bildtafeln sind in sechs Registern oder Zeilen angeordnet und zeigen in den ersten drei Zeilen von oben Motive aus dem Alten Testament und in den folgenden drei Zeilen Motive aus dem Neuen Testament.

Lisa Huber möchte das eigene Entdecken der Betrachter
anregen, ihre eigenen Assoziationen:
„Für mich ist es wichtig, dass das Wesentliche gezeigt wird und dass der Betrachter es noch größer und weiter denken kann!“, sagt sie.

Gebet unter dem Fastentuch

 

Öffne unsere Augen, Herr, damit wir neu sehen lernen: 
Dass wir dich sehen, in unserem Nächsten, auch in denen, die uns Mühe machen. 
Dass wir die Schönheit der Schöpfung sehen, in die du das Wunder von Anfang, Ende und Neuanfang gelegt hast.
Öffne unsere Augen für deinen Weg mit uns Menschen. 
Du gehst mit uns, auch wenn wir oft mit Blindheit geschlagen sind und dich nicht erkennen. 
Wandeln wir im Dunkel der Nacht, so schenke uns das Licht der Sehnsucht nach dir. 
Schenke uns einen neuen Blick auf das Kreuz, das du für uns getragen hast. 
Lass uns darin deine LIebe zu uns erkennen. 
Öffne unsere Augen für die, die an deiner Seite stehen. Was können wir von  Ihnen lernen?
Hilf, guter Gott, dass wir dich neu sehen lernen und unsere Herzen öffnen für das Wunder des Lebens - mit dir. 

Amen. 


Klaas Grensemann