Treffen der Ehemaligen Mitarbeitenden

Nachricht 19. Juli 2018

Mit einem Treffen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begannen die Feierlichkeiten am Samstagmittag. Gekommen waren einige der Ehepaare, die vor 40 Jahren zunächst eine Familiengemeinschaft gründeten, Pastoren und Diakone, die in den letzten 40 Jahren Dienst taten, aber auch Zivildienstleistende und Gruppenleiter der Baufreizeiten, die in den Anfangsjahren beim Renovieren des stark baufälligen Gutshauses halfen. Anhand von alten Fotos erzählte jeder und jede, was die Zeit in Bursfelde für sie bedeutet hatte und wie sie das weitere Leben geprägt hat. Im Garten bei Kaffee und Kuchen ging der Austausch in lockerer Runde weiter.

„Die Klosterkirche predigt von ganz allein“, erinnert sich Werner Anisch, der Hauptinitiator des Projektes rückblickend an die Zeit des Aufbaus, die schwierigen Zeiten des Aufbaus, die mit viel ehrenamtlichem und auch körperlichem Einsatz verbunden waren. „Eines habe ich mit der Zeit gelernt: Wir müssen nicht den Ort tragen, der Ort trägt uns.“ „Werner hat immer daran geglaubt, dass es etwas wird“, erinnert sich Heinz Strohtmann, der zunächst als Pastor in der Kirchengemeinde Dransfeld den Aufbau von Bursfelde mitverfolgte. Später bereiste er als „Bibelpastor“ von Bursfelde aus den Sprengel Göttingen „Ich war viel in den Gemeinden unterwegs und habe ihnen vorgeschwärmt, wie schön es in Bursfelde ist und dann sind Gruppen aus den Gemeinde hierhergekommen“, sagt der 84-Jährige schmunzelnd.

Frieda Loos und Inge Kelterborn erinnerten sich an die Zeit, als sie von 1979 mit ihren Familien im damals noch stark baufälligen Haupthaus wohnten. „Als wir einzogen, war die Wohnung noch gar nicht fertig. Wir wohnten zunächst in einem Zimmer. In dieser Zeit habe ich gelernt, mit wie wenig Dingen man auskommen kann“, erinnert sich Kelterborn.

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die Idee einer geistlichen Gemeinschaft von fünf Familien nicht mit den Bedürfnissen eines Tagungshauses zusammen zu bringen war. Obwohl die Familien wieder auseinander gingen, blieben die Freundschaften bestehen. „Wenn wir es nicht gemacht hätten, gäbe es diesen Ort hier jetzt nicht“, sagt Loos rückblickend. „Wir sind sehr froh, wie es hier geworden ist.“

Thomas Mirow, Forschungsreferent an der TU Ilmenau, war von 1989-90 Zivildienstleistender in Bursfelde. „Wir Zivis mussten Rasen mähen, Holz für die Öfen holen und Baumaterial schleppen. Dieses Unmittelbare ist mir in Erinnerung geblieben. Ich tue etwas mit meinen Händen, damit ich es im nächsten Winter warm habe. Ich schätze die Dinge im Alltag seitdem mehr und nehme nicht alles als selbstverständlich hin.“

Bernd Reuß war schon als Jugendlicher in Bursfelde bei Arbeitseinsätzen. Er hat Tagebucheinträge mitgebracht, die er als 15-Jähriger machte. Er ist dem Kloster treu geblieben und macht heute unter anderem Einsätze als Pilgerbetreuer in der Herberge, wo er den Gästen schon mal eine Fußwaschung vorschlägt oder ihnen Lust zum Postkartenschreiben macht.

Klaus und Renate Dettke haben von 1998 bis 2017 das Leben in Bursfelde entscheidend mitgeprägt. „Schon als ich das erste Mal hier war, wusste ich, dass dies ein guter Ort ist!“, erinnert sich Diakonin Renate Dettke. Pastor Klaus Dettke ist noch immer beeindruckt, „wie wohltuend Menschen aus einem säkularen Umfeld den Rhythmus der vier Gebetszeiten erlebt haben, den wir hier anbieten.“ Am Jubiläumswochenende haben sie sich gefreut, „wie achtsam die Kollegen ernstnehmen, was an diesem Ort an Geschichte war und wie sie es weiterentwickeln!“
 

Zur Geschichte

Die Benediktinerabtei Bursfelde wurde 1093 als Hauskloster der Grafen von Northeim gegründet und mit Mönchen aus dem Kloster Corvey besetzt. Das Kloster Bursfelde war ein „Einsamkeitskloster“. Im Jahr 1433 stieß es eine Reform-Bewegung („Bursfelder Kongregation“) an, die weit über Deutschland hinaus große Wirkung entfaltete. Durch die Einführung der lutherischen Reformation in Südniedersachsen erlischt nach und nach das Klosterleben bis es im Jahr 1672 ganz beendet ist.

1978 gründen fünf junge Ehepaare in der ehemaligen Benediktinerabtei ein „Gemeinschafts-Projekt“. Mit ihnen zieht in Bursfelde wieder kontinuierlich gelebtes geistliches Leben ein. Die Gemeinschaft teilt Leben, Beten und Arbeiten. Räume und einzelnen Angeboten der Klosterkirche und des Tagungshauses wurden entwickelt und bestehen bis heute, wie beispielsweise die Gestaltung des Abendgebetes, das Einstimmen auf Ostern und das Weihnachtsfest. Einer der Pioniere der Anfänge, Werner Anisch, hat jetzt den ersten Band seiner Erinnerungen zu den Jahren 1976 bis 1985 vorgelegt.

Heute lädt ein umfangreiches Seminarprogramm  zu den Themen Einkehr- und Stille ein. Angeboten werden Exerzitien und kreative Zugängen zu biblischen Texten und vieles mehr. Zur geistlichen Übung lädt ebenso auch der Einzelgast-Bereich ein, die sogenannte „Oase“.